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Star Trek Online: Oder warum ich keine PC Spiele mehr zocke

Lange ist es her, seit ich zum letzten Mal vor einem PC-Spiele Regal stand. Grau war die Erinnerung an alte Zeiten. Warum hatte ich damals nochmal aufgehört Spiele zu kaufen? War es die Vereinheitlichung der Spielkonzepte? Restriktive Kopierschutzmaßnahmen? Aufrüstwahn? Technische Schwierigkeiten?  Dank Star Trek Online weiss ich es wieder…

Installation: Es ist Dienstag Abend. Ich lege das Spiel ein und starte die Installation. Die Fortschrittsanzeige füllt sich in Einer-Schritten auf der zweiten Ziffer hinter dem Komma. Ich beschliesse die nächsten 60 Minuten einer anderen Beschäftigung nachzugehen. Nach einer halben Stunde werfe ich einen Blick auf die Installations-Routine – das Notebook ist im Dämmerzustand, weil es zu blöd ist eine Installation als aktive Tätigkeit zu identifizieren. Ich wecke es auf und überwache die weitere Fortschrittsanzeige nun, da ich keine Lust habe für eine einzelne Installation die Settings meines Rechners zu ändern. Zwischenzeitlich lege ich ein Account auf der Cryptic Seite an. Die Seite ist schlampig umgesetzt. Ein Mischmasch aus Englisch und Deutsch erwartet mich. An einer Stelle wird “Star Trek Online” tatsächlich “Champions Online” genannt. Ich habe den Verdacht, dass sich auch In-Game schlampige Arbeit und alte Programm-Teile aus früheren Spielen wiederfinden werden.

Registrierung: Ich freue mich, dass ich 30 Tage freie Spielzeit habe und gebe den 25-stelligen Produktschlüssel ein. Ich habe mich vertippt. Ich gebe ihn nochmal ein – akzeptiert.

Nun der Schock: Um meine 30 freien Tage nutzen zu können, muss ich dennoch bereits weitere Spielzeit kaufen. Ich fühle mich verarscht und gehe vorzeitig schlafen.

Am nächsten Tag wage ich einen zweiten Anlauf und klicke auf die Schaltfläche “Kundendienst”. Dass man dort keine Telefonnummer oder Mail-Addresse erwarten braucht, kenne ich schon von anderen Unternehmen. Deshalb finde ich es nicht weniger zum kotzen. Ich überfliege die FAQ. Mein Thema taucht nicht auf.

Ich habe keine Lust und sehe es nicht ein eine Gamecard zu kaufen, um meine freien 30 Tage nutzen zu können. Ich beschliesse einfach mal meinen inaktiven PayPal Account anzugeben, damit ich ins Spiel komme. Es scheint zu funktionieren. Gibt zwar bestimmt noch Ärger, aber ich will ja erst mal sehen, ob das Spiel mich über die 30 freien Tage hinaus überhaupt zu begeistern weiss.

Spielstart: Star Trek Online weist mich darauf hin, dass es sich jetzt patchen muss. Es verrät mir zunächst nur nicht, dass es dafür gleich einen Gigabyte ziehen muss. Der Launcher beginnt zu saugen und nutzt aus irgendeinem Grund nur ein Zehntel meiner DSL-Bandbreite. Also erstmal raus zum Supermarkt und einkaufen gehen. Immerhin – ich komme nach Hause und das Spiel ist startbereit. Jetzt kanns also losgehen.

Doch – halt!

Ich habe ja schon lange kein PC-Spiel mehr gezockt. Fast hätte ich es vergessen – kein Spielstart ohne Treiberupdate. Star Trek Online warnt mich eindringlich zur Herstellerseite zu gehen und das Update zu fahren. Nachdem ich erstmal mein Notebook-Modell checken musste und mich auf der Hersteller-Seite blöd navigiert habe, hab’ ich nun den 100 MB grossen ATI-Treiber gesaugt. Ging vergleichsweise flott. Das Treiber-Update verläuft merkwürdig. Ein MS-DOS-Fenster mit blickendem Cursor vor schwarzem Hintergrund öffnet sich – nichts passiert mehr. Nach 3 Minuten verändert sich die Bildschirm-Auflösung mehrmals, aber das DOS-Fenster verschwindet nicht. Ich beschliesse den Rechner zu verlassen und abzuwarten, da ich mir nicht das System mit einem halb installierten Treiber versauen will.

Nach 90 Minuten setze ich mich wieder an das Notebook – der Treiber ist wohl installiert. Doch dann taucht der Warnbildschirm bei Spielstart abermals auf. Besser mal neustarten.

Neustart. Warn-Bildschirm erscheint abermals. Das Notebook ist topaktuell (Core 2 Duo, 6 GB RAM, Radeon HD4650), Grafik-Treiber aktualisiert, dennoch starte ich nun mit dem Warnhinweis, dass mein System “outdated” ist.

Eigentlicher Spielstart: Es startet. Zwar erstmal nur im 4:3 Format, aber ich bin drin. Die befürchtete Schlampigkeit ist prompt wiederzufinden. Deutsch-Englische Texte wild gemischt. Alle paar Meter ein Tippfehler. Ich habe seit Dark Age Of Camelot (also noch vor World of Warcraft) kein MMORPG mehr gespielt und ich bin erstaunt wie sehr Star Trek Online diesem uralten Titel ähnelt. Die Lizenz wirkt wie aufgestülpt. Man könnte genauso gut in einem Fantasy-Wald herumlaufen. Dann würden die Texturen eben anders aussehen und die Waffen anders heissen.

Spielende: Ich logge mich aus Star Trek Online aus. Ich werde mich vielleicht noch 3-4 mal einloggen. Meine 30-tägige Spielzeit verlängere ich nicht. Dieses Spiel spricht die Sammler an, ich sehe mich jedoch mehr als Jäger. Ich will wahrhaft neue Welten erkunden und unbekannte Zivilisationen. Doch Star Trek Online ist nichts weiter als ein liebloser Lizenz-Titel, der nicht mehr macht als er muss, um Geld in die Taschen der Beteiligten zu spülen. Fantasielos, ideenlos und nach Schema F hingeklatscht.

Fazit: Ich weiss nun wieder warum ich vor einigen Jahren aufgehört habe PC-Spiele zu kaufen. Nicht nur der technische Aspekt ist es, der Nerven kostet. Es ist der Spiele-Markt an sich. Er erinnert mich an die Heavy Metal- Szene: Was früher kreativ war, wild und lebendig, ist nun nur noch eine Zielgruppen bedienende Maschine, die in regelmässigen Abständen genormte Fliessband-Produkte abwirft.

Das Prinzip lautet: Erfolgskonzept 1:1 klonen – im Beta-Status releasen – soviel abkassieren wie möglich – so wenig Kundenservice wie nötig. Als erwachsener Mensch erwarte ich jedoch Service, Innovation, Entgegenkommen und Respekt. Leider behandelt die Spieleindustrie ihre Kunden immer noch wie unmündige Pupertierende.

Deshalb – und weil ich besseres zu tun habe als updaten, installieren, warten und mehrmals neustarten – werde ich auch weiterhin nur noch gelegentlich zum Joypad greifen. Und das ausschliesslich auf Konsolen.

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