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MMA – Gewalt als Massenunterhaltung

Ein Phänomen das sich immer mehr ins Bewusstsein der Menschen drängen möchte ist MMA. Ausgesprochen heisst das Mixed Martial Arts und stellt einen Überbegriff für einen relativ jungen Sport dar, welcher den Anspruch erhebt verschiedene Kampfsport-Disziplinen innerhalb eines eigenen Regelwerks unter einen Hut zu bringen. Verbände wie UFC und K1 haben jeweils ihre eigenen Regeln, die mehr oder weniger dafür sorgen sollen, dass die Kämpfer auch das nächste mal im Vollbesitz ihrer jeweiligen Körperteile und Organe gegeneinander antreten können.

Wer nun vor seinem geistigen Auge Bilder sieht wie Kung-Fu Kämpfer im Bruce Lee Anzug gegen Karatekas im Kimono kunstvoll Sprungkicks austauschen und sich vorher artig verbeugen, wird von der Realität enttäuscht sein. Unabhängig vom jeweiligen Background der Kämpfer hat dieser Sport eine ganz eigene Ästhetik. Und zwar eine die an verschwitzte Trainingskeller, Zirkus und Gladiatorenkampf erinnert. Der typische Ablauf eines Kampfes in der UFC ist der beginnende Schlagabtausch mit den Fäusten und der Einsatz einfacher Kicks, die anschliessende Rangelei auf dem Boden bis hin zur Verrenkung eines Körperteils um eine Aufgabe zu erzwingen oder Schläge auf bereits lädierte Körperteile bis der schwarz angezogene Ringrichter mit seinen weissen Handschuhen dazwischen geht und die verkeilten, blutenden Kämpfer voneinander trennt. Die angewandten Kampfkünste können vom Laien selten nachvollzogen werden, da es aus Gründen der Effizienz fast immer auf einen gleichförmig wirkenden Stil hinausläuft, welcher nach einer Mischform aus Kickboxen und Ringen aussieht. Geistige Hintergründe der Kampfkünste kann man in so einem Umfeld ohnehin nicht erwarten.

Da die UFC dieses wenig Image-trächtige Produkt einer breiten Masse verkaufen möchte, hat man über die Jahre ein Argumentations-Konstrukt erarbeitet, welches durch die eigenen TV-Kommentatoren, über die UFC-Website und mittels Symphatisanten immer wieder gebetsmühlenartig bis hin zur Gehirnwäsche wiederholt wird. So erhofft man sich eine weniger gewalttätige Wahrnehmung durch den kritischen Betrachter und ein reines Gewissen beim Gelegenheitszuschauer. Denn dieser soll schliesslich einverstanden sein mit dem was er sieht und UFC nicht etwa verschämt wie einen Porno gucken. Teilweise artet diese so enstandene Art der Argumentation in eine Realitätsverzerrung aus, die am liebsten leugnen möchte, dass diese Leute in der Tat am Boden liegend aufeinander einschlagen, was de facto in nahezu jedem Kampf der Fall ist. Für UFC-Fans die ihre Position komplett auf Grundlage vorgefasster Argumente vertreten, bietet die Internetpräsenz der Organisation einen kompletten Unterpunkt mit dem Titel „Fakten gegen Vorurteile“ an. Eine Vorgehensweise die an Sekten wie bspw. die Scientology erinnert.

Ein beliebter Schachzug der UFC ist es in Diskussionen die Aufmerksamkeit auf den hohen Bildungsgrad ihrer Akteure zu richten. Zum Beispiel um davon abzulenken, dass die Beliebtheit ihres Sports, sowie die Nachahmungsgefahr im intellektuell niederschwelligen und sozial benachteiligten Millieu extrem hoch ist. Dennoch ist und bleibt Gewalt, Lust nach Gewalt und Gewaltbereitschaft ein gesamtgesellschaftliches Thema, welches sich durch alle Bildungsgruppen zieht. Insofern scheint es Augenwischerei zu sein den etwaigen Hochschul-Abschluss der Sportler als Gradmesser für Kultiviertheit anwenden zu wollen, steht dieser Umstand letztlich doch in keinerlei Zusammenhang mit dem was letztlich im Octagon* passiert.

Gerne wird auch das Regelwerk hervorgehoben um einen zivilisierten Eindruck zu erwecken, während des Geschehen nicht selten wie eine Aneinanderreihung von Tabubrüchen aussieht und es gemessen an wirklich streng reglementierten klassischen Kampfsport-Wettbewerben auch ist. Der Leitspruch zu Beginn der Company war „There are no rules“. Zu diesem Zeitpunkt gab‘ es tatsächlich kaum Regeln, was der UFC grossflächig Verbote und negative Presse bescherte. Daraus zog man nach und nach Konsequenzen und führte schliesslich im Jahr 2000 den Standard der „Unified Mixed Martial Arts Rules“ ein, wobei unumstritten bleibt, dass es sich weiterhin um ein Regelwerk handelt, welches einen hohen Grad an Brutalität toleriert. Dies wird von verschiedenen Kampfsportlern weltweit bestätigt.

Ein weiteres Argument der MMA-Anhängerschaft und deren Vorrednern ist die „Ahnungslosigkeit“. Dieses vernichtende Urteil wird – gerne auch pauschal – über jede Art von aussenstehender Kritik gefällt. Ganz gleich ob die Kritik übende Person tatsächlich ahnungslos ist, oder nach eingehender Beschäftigung mit dem Sport keine Lust hat sich mit diesem weiter zu befassen. Dabei entlarven sich die MMA-Anhänger in ihrer einheitlichen Argumentationsweise nur allzu schnell als Zweitverwerter vorgebeteter Tatsachenverdrehereien. So wird bspw. gerne behauptet MMA habe seine Ursprünge in der Antike. Unabhängig davon ob dies für eine zivilisierte Gesellschaft ein Kompliment darstellt, darf bezweifelt werden, dass ein direkter Zusammenhang zwischen den olympischen Disziplinen vergangener Jahrhunderte und dem aktuellen, am Wrestling angelehnten Showkonzept besteht.

In der Tat ist die Schnittmenge zwischen UFC- und WWE**-Fans enorm hoch, obwohl sich MMA als Sport grundsätzlich eher in Konkurrenz zum Boxen sieht. In vielen Fällen handelt es sich dabei um konvertierte Wrestling-Zuschauer, die vom überzeichnetem Entertainment genug haben, den sportlichen Aspekt im Vordergrund sehen möchten und sich von daher lieber ‚etwas echtem‘ widmen. Doch gibt es auch viele, die sich mit beidem parallel befassen. Dies betrifft nicht nur Fans, sondern auch die Sportler. So ist es nicht unüblich, dass MMA-Athleten im Wrestling auftauchen und umgekehrt.

Das Konzept ist an sich auch nicht so unähnlich und unterscheidet sich eher durch den Faktor ‚Realismus‘. Während die WWE gnadenlos auf überzogene Charaktere und Showeinlagen setzt, versucht die UFC immer einen Grad Seriösität zu bewahren, auch wenn sich das Drumherum bei beiden durch eine typisch amerikanische Show-Inszenierung auszeichnet. Durch Fehden wird polarisiert und Interesse geschürt, das Showkonzept ist trashig und das Gefühl der ‚geschlossenen Gesellschaft‘ vermittelt die Organisation ebenfalls immer wieder. Es gibt nicht wenige Stimmen die behaupten, die UFC würde das Kayfabe*** einfach besser schützen als das Wrestling Business. Möglich sei dies durch die kompromisslos stiffen**** Kampfabläufe. Fakt ist: Das anrüchige und die Schieberei war immer schon Bestandteil und Tradition aller Sportarten, die Kampfsport als Vollkontakt-Wettbewerb darboten, oder so taten als ob. Auch das Boxen ist von Korruption und geheimen Absprachen in hohem Maße durchzogen.

Der Erfolg der UFC basiert, neben der steigenden Empfänglichkeit für Gewalt in der westlichen Zivilisation, zu grossen Teilen auf dem aggressiven Marketing von Besitzer Dana White und dessen Gefolgschaft. In dieser Hinsicht ist die Organisation näher am Zeitgeist dran als Wrestling und Boxen. Anders als viele andere Branchen, nutzen die MMA-Ligen das Internet kompromisslos als Werkzeug für Verbreitung und Wachstum, auch wenn es zunächst nicht rentabel scheint. Zusätzlich bereist die UFC verschiedene Länder, produziert grossflächig qualitativ hochwertige Videospiele und kämpft kontinuierlich um bessere TV-Verträge. Einen Teil der vordergründig wahrzunehmenden Seriösität ist tatsächlich dem wirtschaftlichen Aspekt des Unternehmens zu verdanken. Mit steigender Popularität und steigendem Wachstum gelingt es der UFC immer mehr davon abzulenken, dass der Kern ihres Produktes immer noch die rohe Gewalt bleibt.

*Octagon – achteckiger Käfig / Ring, in welchem die MMA-Kämpfe des UFC-Verbandes ausgefochten werden

**WWE – global aktiver Wrestling-Verband

***Kayfabe – Begriff aus dem Wrestling für die Übereinkunft, alle Geschehnisse über den Rahmen der Veranstaltungen hinaus als ‚echt‘ zu verkaufen und mit niemandem über Hintergründe zu sprechen

****Stiffness – Begriff aus dem Wrestling, welcher den Härtegrad der durchgeführten Aktionen definiert

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Kategorien:Uncategorized

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