Archiv

Archive for the ‘Uncategorized’ Category

DIY-Kultur: Wir wollen keine Konsumenten sein

Wir sind alle Experten. Für alles. Mit Google in der Tasche, Photoshop auf dem Rechner und ein Dutzend kreativer Ideen im Kopf lässt sich eine Menge anfangen. Da braucht man keine dummschwätzenden Dozenten, deren Informationsgehalt pro Vorlesungen bei max. 20% des gesagten liegt. Wenn wir was nicht wissen, fragen wir halt jemandem im Fachforum. Dabei nicht vergessen trotzdem auf dicke Hose zu machen, damit das gepflegt aufgebaute Kompetenz-Image nicht wackelt.

Ja, wir machen jetzt alle nur noch das worauf wir Lust haben. Und wenn wir etwas vorzuweisen haben, dann füttern wir die Promomaschine. Denn dank Social Networks haben wir direkt einen großen Kanal und können direkt allen Leuten zeigen was wir für sie anzubieten haban.

Doch spätestens jetzt gibts ein Problem. Wo ist denn der Konsument geblieben, der nur darauf wartet seine Scheine für unsere Produkte, Leistungen, Kreationen und Events auf den Tresen zu knallen? Tja – bad news – der ist jetzt auch kreativ und allenfalls noch Prosumer. Vielleicht spendet er dir ein wenig Kohle über den Flattr-Buitton, aber sei dir sicher er wird dein Erzeugniss mit dem Auge des Kritikers bewerten. Sein größtes Investitionskapital nennt sich Zeit und Beachtung. Das Problem – das Brötchen kostet immer noch klassisches Geld. Kein Bäcker gibt mir Brötchen, weil ich sie fachmännisch esse und anschliessend kritisch bewerte.

Ein wenig Bescheidenheit und Demut täte Not. Auch heute gibt es noch einen großen Unterschied zwischen Google-Wissen und erlerntem Handwerk. Wir sollten also einfach mal entspannen, akzeptieren, dass wir nicht alles können und respektieren, wenn ein echter Fachmann seinen Job tut.

Kategorien:Uncategorized

MMA – Gewalt als Massenunterhaltung

15. April 2010 1 Kommentar

Ein Phänomen das sich immer mehr ins Bewusstsein der Menschen drängen möchte ist MMA. Ausgesprochen heisst das Mixed Martial Arts und stellt einen Überbegriff für einen relativ jungen Sport dar, welcher den Anspruch erhebt verschiedene Kampfsport-Disziplinen innerhalb eines eigenen Regelwerks unter einen Hut zu bringen. Verbände wie UFC und K1 haben jeweils ihre eigenen Regeln, die mehr oder weniger dafür sorgen sollen, dass die Kämpfer auch das nächste mal im Vollbesitz ihrer jeweiligen Körperteile und Organe gegeneinander antreten können.

Wer nun vor seinem geistigen Auge Bilder sieht wie Kung-Fu Kämpfer im Bruce Lee Anzug gegen Karatekas im Kimono kunstvoll Sprungkicks austauschen und sich vorher artig verbeugen, wird von der Realität enttäuscht sein. Unabhängig vom jeweiligen Background der Kämpfer hat dieser Sport eine ganz eigene Ästhetik. Und zwar eine die an verschwitzte Trainingskeller, Zirkus und Gladiatorenkampf erinnert. Der typische Ablauf eines Kampfes in der UFC ist der beginnende Schlagabtausch mit den Fäusten und der Einsatz einfacher Kicks, die anschliessende Rangelei auf dem Boden bis hin zur Verrenkung eines Körperteils um eine Aufgabe zu erzwingen oder Schläge auf bereits lädierte Körperteile bis der schwarz angezogene Ringrichter mit seinen weissen Handschuhen dazwischen geht und die verkeilten, blutenden Kämpfer voneinander trennt. Die angewandten Kampfkünste können vom Laien selten nachvollzogen werden, da es aus Gründen der Effizienz fast immer auf einen gleichförmig wirkenden Stil hinausläuft, welcher nach einer Mischform aus Kickboxen und Ringen aussieht. Geistige Hintergründe der Kampfkünste kann man in so einem Umfeld ohnehin nicht erwarten.

Da die UFC dieses wenig Image-trächtige Produkt einer breiten Masse verkaufen möchte, hat man über die Jahre ein Argumentations-Konstrukt erarbeitet, welches durch die eigenen TV-Kommentatoren, über die UFC-Website und mittels Symphatisanten immer wieder gebetsmühlenartig bis hin zur Gehirnwäsche wiederholt wird. So erhofft man sich eine weniger gewalttätige Wahrnehmung durch den kritischen Betrachter und ein reines Gewissen beim Gelegenheitszuschauer. Denn dieser soll schliesslich einverstanden sein mit dem was er sieht und UFC nicht etwa verschämt wie einen Porno gucken. Teilweise artet diese so enstandene Art der Argumentation in eine Realitätsverzerrung aus, die am liebsten leugnen möchte, dass diese Leute in der Tat am Boden liegend aufeinander einschlagen, was de facto in nahezu jedem Kampf der Fall ist. Für UFC-Fans die ihre Position komplett auf Grundlage vorgefasster Argumente vertreten, bietet die Internetpräsenz der Organisation einen kompletten Unterpunkt mit dem Titel „Fakten gegen Vorurteile“ an. Eine Vorgehensweise die an Sekten wie bspw. die Scientology erinnert.

Ein beliebter Schachzug der UFC ist es in Diskussionen die Aufmerksamkeit auf den hohen Bildungsgrad ihrer Akteure zu richten. Zum Beispiel um davon abzulenken, dass die Beliebtheit ihres Sports, sowie die Nachahmungsgefahr im intellektuell niederschwelligen und sozial benachteiligten Millieu extrem hoch ist. Dennoch ist und bleibt Gewalt, Lust nach Gewalt und Gewaltbereitschaft ein gesamtgesellschaftliches Thema, welches sich durch alle Bildungsgruppen zieht. Insofern scheint es Augenwischerei zu sein den etwaigen Hochschul-Abschluss der Sportler als Gradmesser für Kultiviertheit anwenden zu wollen, steht dieser Umstand letztlich doch in keinerlei Zusammenhang mit dem was letztlich im Octagon* passiert.

Gerne wird auch das Regelwerk hervorgehoben um einen zivilisierten Eindruck zu erwecken, während des Geschehen nicht selten wie eine Aneinanderreihung von Tabubrüchen aussieht und es gemessen an wirklich streng reglementierten klassischen Kampfsport-Wettbewerben auch ist. Der Leitspruch zu Beginn der Company war „There are no rules“. Zu diesem Zeitpunkt gab‘ es tatsächlich kaum Regeln, was der UFC grossflächig Verbote und negative Presse bescherte. Daraus zog man nach und nach Konsequenzen und führte schliesslich im Jahr 2000 den Standard der „Unified Mixed Martial Arts Rules“ ein, wobei unumstritten bleibt, dass es sich weiterhin um ein Regelwerk handelt, welches einen hohen Grad an Brutalität toleriert. Dies wird von verschiedenen Kampfsportlern weltweit bestätigt.

Ein weiteres Argument der MMA-Anhängerschaft und deren Vorrednern ist die „Ahnungslosigkeit“. Dieses vernichtende Urteil wird – gerne auch pauschal – über jede Art von aussenstehender Kritik gefällt. Ganz gleich ob die Kritik übende Person tatsächlich ahnungslos ist, oder nach eingehender Beschäftigung mit dem Sport keine Lust hat sich mit diesem weiter zu befassen. Dabei entlarven sich die MMA-Anhänger in ihrer einheitlichen Argumentationsweise nur allzu schnell als Zweitverwerter vorgebeteter Tatsachenverdrehereien. So wird bspw. gerne behauptet MMA habe seine Ursprünge in der Antike. Unabhängig davon ob dies für eine zivilisierte Gesellschaft ein Kompliment darstellt, darf bezweifelt werden, dass ein direkter Zusammenhang zwischen den olympischen Disziplinen vergangener Jahrhunderte und dem aktuellen, am Wrestling angelehnten Showkonzept besteht.

In der Tat ist die Schnittmenge zwischen UFC- und WWE**-Fans enorm hoch, obwohl sich MMA als Sport grundsätzlich eher in Konkurrenz zum Boxen sieht. In vielen Fällen handelt es sich dabei um konvertierte Wrestling-Zuschauer, die vom überzeichnetem Entertainment genug haben, den sportlichen Aspekt im Vordergrund sehen möchten und sich von daher lieber ‚etwas echtem‘ widmen. Doch gibt es auch viele, die sich mit beidem parallel befassen. Dies betrifft nicht nur Fans, sondern auch die Sportler. So ist es nicht unüblich, dass MMA-Athleten im Wrestling auftauchen und umgekehrt.

Das Konzept ist an sich auch nicht so unähnlich und unterscheidet sich eher durch den Faktor ‚Realismus‘. Während die WWE gnadenlos auf überzogene Charaktere und Showeinlagen setzt, versucht die UFC immer einen Grad Seriösität zu bewahren, auch wenn sich das Drumherum bei beiden durch eine typisch amerikanische Show-Inszenierung auszeichnet. Durch Fehden wird polarisiert und Interesse geschürt, das Showkonzept ist trashig und das Gefühl der ‚geschlossenen Gesellschaft‘ vermittelt die Organisation ebenfalls immer wieder. Es gibt nicht wenige Stimmen die behaupten, die UFC würde das Kayfabe*** einfach besser schützen als das Wrestling Business. Möglich sei dies durch die kompromisslos stiffen**** Kampfabläufe. Fakt ist: Das anrüchige und die Schieberei war immer schon Bestandteil und Tradition aller Sportarten, die Kampfsport als Vollkontakt-Wettbewerb darboten, oder so taten als ob. Auch das Boxen ist von Korruption und geheimen Absprachen in hohem Maße durchzogen.

Der Erfolg der UFC basiert, neben der steigenden Empfänglichkeit für Gewalt in der westlichen Zivilisation, zu grossen Teilen auf dem aggressiven Marketing von Besitzer Dana White und dessen Gefolgschaft. In dieser Hinsicht ist die Organisation näher am Zeitgeist dran als Wrestling und Boxen. Anders als viele andere Branchen, nutzen die MMA-Ligen das Internet kompromisslos als Werkzeug für Verbreitung und Wachstum, auch wenn es zunächst nicht rentabel scheint. Zusätzlich bereist die UFC verschiedene Länder, produziert grossflächig qualitativ hochwertige Videospiele und kämpft kontinuierlich um bessere TV-Verträge. Einen Teil der vordergründig wahrzunehmenden Seriösität ist tatsächlich dem wirtschaftlichen Aspekt des Unternehmens zu verdanken. Mit steigender Popularität und steigendem Wachstum gelingt es der UFC immer mehr davon abzulenken, dass der Kern ihres Produktes immer noch die rohe Gewalt bleibt.

*Octagon – achteckiger Käfig / Ring, in welchem die MMA-Kämpfe des UFC-Verbandes ausgefochten werden

**WWE – global aktiver Wrestling-Verband

***Kayfabe – Begriff aus dem Wrestling für die Übereinkunft, alle Geschehnisse über den Rahmen der Veranstaltungen hinaus als ‚echt‘ zu verkaufen und mit niemandem über Hintergründe zu sprechen

****Stiffness – Begriff aus dem Wrestling, welcher den Härtegrad der durchgeführten Aktionen definiert

Kategorien:Uncategorized

Pimmel-Wumme

23. März 2010 3 Kommentare

Wenn berstende Muskelpakete mit unschuldigen Kulleraugen kollidieren und die Knarre grösser als sein Besitzer ist, betrachtet man vermutlich gerade das Cover eines Videospiele-Magazins.

Und wenn man die ersten paar Seiten aufblättert dauert es auch nicht lange bis einem das berühmte Phallus-Symbol in Form eines Ego-Shooter Screenshots entgegenstrahlt.

Die allgegenwärtige Pimmel-Wumme ist vermutlich das typischste Bild in der modernen Spielelandschaft. Die chrom-verkleidete Dauererektion ist schliesslich der einzige Fixpunkt, während man sich durchs virtuelle Szenario bewegt und in einem Gefühl omnipotenter Allmacht alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, gnadenlos mit der Macht bleigefüllter, doppelläufiger Samenstränge vernichtet.

Gekleidet wird diese Form von Abbau sexueller Aggressionen in ein militärisches Gewand, was sich die USA zu Nutzen macht um neue Soldaten zu rekrutieren (Americas Army) und einfache Gemüter anstösst, Spiele für viele Formen von Gewalt in der Gesellschaft zu beschuldigen (bspw. Dr. Pfeiffer).

Dass der Wunsch nach Omnipotenz eine Grundlage in real erlebten Frustrationen hat, wird nicht immer theamtisiert. So wird Ego-Shootern angekreidet Ursache für Gewalt zu sein, obwohl es offensichtlich ist, dass es sich lediglich um ein negativ verstärkendes Element in einer viel grösseren Ereigniskette handelt, deren Ursachen sich aber nicht so leicht abstellen lassen, wie ein Spiel verboten werden kann.

Bevor ich nach Veröffentlichung des Textes noch Liebesbriefe von dicken, bärtigen Informatik-Studenten bekomme, möchte ich vorsorglich anmerken: Ich bin ja auch schwer dafür, dass Ego-Shooter verboten gehören. Aber aus ästhetischen Gründen wohlgemerkt. Als spieleinteressierter Erwachsener möchte ich mich schliesslich nicht permanent mit der Visualisierung kompensierter jugendlicher Sexualität konfrontiert sehen.

Warum nicht einfach mal ein seriöses Sim City Cover mit einer schönen, spätabendlichen Skyline im Manhattan-Stil? So ganz ohne attackierende Aliens, brennende Wolkenkratzer und entsetzt dreinblickende Manga-Girls.

Geht das auch so, oder bekomme ich die Idylle erst als Belohnung im Abspann eines erfolgreich absolvierten Pimmel-Wummen Spiels?

Kategorien:Uncategorized

Musik(er)gefängnis Internet


Emotion unerwünscht

Das Internet ist für Musiker kein guter Platz sich auszutauschen. Die einseitige, rationale Kommunikation, wie sie durch das Medium vorgegeben ist, tötet den Geist ab und nimmt uns die Zeit uns mit inspirierenden Dingen zu beschäftigen. Wir tippen uns in Musiker-Foren die Finger über Dinge wie Equipment, Produktion usw. wund und reden nicht einmal über Sachen die uns wirklich zu Musikern machen, weil man sich öffentlich nicht emotional und verletzlich präsentieren möchte. Und wenn doch mal einer ausbricht und einen Blick in sein Seelenleben offenbart, dann spuckt der Rest darauf. Alles was im echten Leben wertvoll ist und ausgesprochen werden muss, verkommt im Internet zum Akt der Lächerlichkeit. Einfach aus dem Grund, weil Emotionen ausgeschrieben nun mal lächerlich aussehen, insofern die sich artikulierende Person weder eine geliebte, bekannte Person ist, noch ein Schriftsteller, der um die Technik weiss, Gefühle im geschrieben Wort für jeden nachvollziehbar zu machen.

Das Territorium des Theoretiker

Genauso haben unkonventionelle Erfahrungswerte im Internet gegen Bilderbuch-Theorie von Halbgelehrten keine Chance. Man kann die Dinge aus dem Bauch raus noch so richtig machen, der praxisferne Schlaubi-Schlumpf weiss alles besser und untergräbt die Autorität derer, die handfestes Wissen weitergeben können.

Eine andere Form des Theoretikers ist der Youtube-Internet-Musiker – komplett auf Spieltechnik fixiert, kein Respekt vor der Magie im Ton selbst und dem Charisma erfahrener Künstler. Er orientiert sich an nüchternen, technischen Maßstäben an und will vermeiden, dass Kunst weh tut.

Versteht mich in diesem Punkt bitte nicht falsch. Niemand muss Scheisse erleben um Musik zu machen und es schon gar nicht absichtlich herbeiführen – das wäre Irrsinn. Die Scheisse kommt früh genug von selbst zu einem, bricht die Eitelkeit, macht uns demütig. Daraus entstehende Kunst ist meist von höherer Bedeutung, als die leichtfüssige Kunst von Menschen, die keine Höhen und Tiefen kennen.

Doch welchen Ratschlag will der Lehrbuch-affine Nachwuchsmusiker, der mit beiden Beinen in der Realität steht und Abends nach der Arbeit 3 Stunden Homerecording praktiziert, denn  hören, wenn er in einem Forum folgende Frage stellt: „Stimme wie Tom Waits – viel Whiskey trinken?“ ?

Und glaubt die Bürofachangestellte, Mutter von 2 Kindern und Hobbysängerin denn wirklich, ein paar Gesangsstunden würden ihr den unnachahmlichen Ausdruck einer Amy Winehouse verleihen?

Sauf dir doch eine Stimme an

Offensichtlich wird das Besondere von diesen Menschen durchaus erkannt, aber gleichzeitig wird versucht es rational nachzuahmen. Doch die Besonderheit eines Künstlers ist das Besondere in ihm. Ein spezieller Blick, der ihn Dinge anders erleben lässt. Sowas kann man nicht weitergeben oder beibringen. Man kann den Leuten im Anflug von Zynismus auf den Weg mitgeben, sie könnten ja mal mit mehr Tabak und Schnaps probieren. Doch niemand wird durch Genußmittel-Missbrauch zum Künstler. Es ist vielmehr eine Falle, in die ein sensibler Mensch schnell tappt.

Es sind nicht Drogen die einen Künstler charismatisch machen. Vielmehr macht es ihn interessant, daß er trotz Sucht und seelischer Defizite in der Lage ist heller zu strahlen, als all die kleinen Lichter in seinem Schatten. Daß all die Ecken und Kanten ihn nicht ruinieren. Daß er brennt und durch seinen Glanz die Oberflächlickeiten der Gesundheitsprediger, Vernunftprediger, Alles-Prediger überschattet und sie und ihre kleine, pseudo-perfekte Welt Lügen straft.

Doch wie  soll das ein junger Musiker verstehen, der schon viel Geld für Equipment ausgegeben hat und meint sein Können und sein Ehrgeiz seien schon längst über allem stehend? Dieser junge Mensch gefällt sich selbst vor dem Spiegel so gut, daß man ihn zu seinem Selbstschutz in dem Glauben lassen muss. Vielleicht ist das ja auch alles gewesen was er wollte – sich selbst wieder gefallen.

Musikhören 2.0

Auch für Musikliebhaber ist das Internet kein Platz. Kein Erlebnis ist an die Beschaffung der Musik gekoppelt. Immer an den gleichen Stuhl gefesselt und die Hand an der Maus, ist es einzig der Kopf der auf Reisen geht. Der virtuelle Ramschladen bietet alles und nichts. Und immer sitzt dem Hörer das Gefühl im Nacken, daß das was er tut nicht in Ordnung ist. Der illegale Nutzer hat Angst vor dem Gesetz, der legale Nutzer ärgert sich darüber einen Euro für etwas zu zahlen, was er bei Piratebay umsonst bekäme. Er ärgert sich darüber, daß er seine Musik nicht problemlos kopieren kann. Er verbringt Zeit mit sammeln, sortieren, tauschen, beschriften, kategorisieren – und doch – es fühlt sich einfach nicht so gut an wie eine alphabetisch sortierte CD-Sammlung an der Wand.
Manche haben keine Lust auf sortieren und sammeln. Also liegt die halbe Musikbibliothek der Welt auf 500 GB verteilt auf div. Festplatten. Von Analphabeten getaggte Stücke die z.B. „Da Beetles – Help“ oder „Let Zepplin – Steerway 2 Heaven“ heissen, werden vom Winamp runtergespult und wem das zu blöd ist, der hört sich den Kram gleich in verminderter Qualität bei Youtube oder Myspace an.
Wenn man sich überlegt wieviel ein Engineer an Detailarbeit in den Mix steckt, wieviel Entscheidungsfragen wegen Nuancen in der Produktion geklärt werden müssen, erscheint der Aufwand angesichts der Genügsamkeit der Konsumenten fast lächerlich.

Der Kampf um das digitale Publikum

Bemerkenswert ist auch die Erwartungshaltung an makellose Form der Selbstdarstellung und Fähigkeit zur kompromisslosen Eigenvermarktung, die sich in den letzten Jahren eingestellt hat. Der Musiker 2.0 hat am besten schon mal ein paar Semester BWL absolviert, einen Kurs in Webdesign belegt und einen Business-Plan für die örtliche Bank in der Tasche. Aufgrund des hohen Berufs-Risikos und der sinkenden Nachfrage an muss schliesslich alles Hand und Fuß haben. Abgerissene Typen mit Metal-Shirts und zerfetzen Hosen sitzen mit Laptops im Proberaum und verwalten konsequent ihre Karriere. Rock ‚N Roll, anyone?

Das Internet fördert den Drang zur Aufwertung der eigenen Person bei gleichzeitigem Beitrag zur Entwertung der Musik im allgemeinen. Überall ist Competition. Die professionelle Form ist das Primär-Ziel im Kampf um den Hörer – MySpace, Artwork, Aufnahmequalität, Merchandise – alles muss 1A sein. Egal ob du Megaseller oder Dorf-Kapelle bist und ganz gleich, ob der musikalische Kern dem Aufwand standhält. Es wird nichts gewagt, nichts gesagt und niemandem wird weh getan. Man möchte sich schliesslich keinen Fehltritt leisten, also versteckt man sich hinter der Maske der Gefälligkeit. Dabei ist es egal ob es sich um Synth-Pop, Deutsch-Rock oder Death Metal handelt, so lange es nur eine zu bedienende Zielgruppe hat.

Wenn dabei versäumt wird, geschickt den Eindruck zu erwecken wichtig zu sein, wird sich das Angebot/Nachfrage Prinzip umkehren – denn der Musiker muss dann nachfragen, ob jemand vielleicht Lust hat sich den Kram anzuhören und der Hörer wird ihm das Angebot machen gütigerweise für 5 Minuten reinzuhören. In den Fällen wo es jedoch noch richtig herum läuft, greift meist das Prinzip „mehr Schein als Sein“ und dem Musiker ist es gelungen durch einen roten Faden in der Selbstdarstellung Relevanz vorzugaukeln. Was auf der Strecke bleibt sind echte Inhalte. Künstler wie Trent Reznor (NIN) haben ihre Seele längst an das Internet verkauft und Nachwuchs-Künstler kennen es nicht mehr anders.

Es mag kommerzieller Selbstmord sein, aber der Wunsch sämtliche MP3s und Künstlerseiten aus dem Netz zu nehmen manifestiert sich bei mir zunehmend. Vielleicht ist es aber einfach auch nur clever sich der Welt des Internets zu entziehen. Vielleicht ist es gerade die Verneinung des globalen Fortschritts, welche den Weg zum Fortschritt als Künstler ebnet.

Kategorien:Uncategorized

PFN_LIST korrupt?

„Wat is los?“

Wenn du nichts ahnend den Laptop öffnest, erstmal jeder Treiber einzeln abstürzt und anschliessend ein amtlicher Bluescreen die Show beendet, kapierst du erstmal nix.

„Aber wieso?! Was denn? Der ist doch neu? Mama – warum immer ich?!“

Also an den Mac gelatscht, Google angeschmissen und eingetippt:

PFN_LIST_CORRUPT

Nach den ersten Links zu urteilen hat es wohl was mit dem Arbeitsspeicher zu tun. Okay – aber das geht gar nicht. Da muss es einen anderen Weg geben…

Ich erspare euch die Details. Auf jeden Fall hab‘ ich erstmal eine bootbare Linux-CD geladen und den ganzen Tag lang 100 Rettungs-Tutorials gelesen. Könnten ja auch irgendwelche Treiber-Konflikte sein und so…

Leute – lasst es bleiben. Grau ist alle Theorie. Wenn der PFN_LIST_CORRUPT Fehler beim Bootvorgang auftaucht,  direkt einen der RAM-Riegel ausbauen und neustarten – wenn er hochfährt, haltet ihr den Fehler bereits in der Hand. Wenn er beim einschalten gar nichts mehr macht, dann habt ihr den falschen ausgebaut 😉

So einfach kann das Leben sein, wenn man praktisch statt theoretisch an ein Problem heran tritt.

Kategorien:Uncategorized

Fame Baphomet 5 aka Mayones BE-5

Musik machen ist teuer. So manchen Equipment-Kompromiss schleppt man teils Jahre mit sich herum. In meinem Fall handelte sich um einen Billig-Bass mit pfeiffenden Tonabnehmern, null Fundament und einem Batterie-Verbrauch von einem 9V-Block pro Session.

Also dachte ich mir, bevor ich weiter wöchentlich Batterien kaufen gehe, kann ich mir auch gleich ein gescheites Instrument leisten. Ist auf Dauer billiger und macht qualitativ mehr Sinn.

Urspünglich wollte ich einen dieser hippen Schecter-Bässe haben. Schecter bauen diese hübschen Bling-Bling Instrumente, deren Optik förmlich schreit „kauf mich“.

Zum Glück habe ich mich zusammengerissen und bin zum Musicstore gefahren, um mir selbst ein Bild zu machen. Dort angekommen traf ich einen jungen Burschen namens Helge Jansen an – seines Zeichens Ex-Bassist von 10 Fold B-Low – und im Rahmen eines Studien-Projektes als Aushilfe vor Ort.

Während ich schon wieder knausrig wurde und mir die Billig-Bässe anguckte, fragte Helge ob er mir helfen könne. Zum Glück bejahte ich, denn sonst wäre mein Einkauf vermutlich anders ausgefallen.

Nachdem ich ihm schilderte, welche Anforderungen ich so hätte ( Metal, tight, fett, auf die Nuss 😀 ) reichte mir der Meister einen Fame Baphomet. Handgemacht aus dem Mayones-Werk, Kostenfaktor metal-tight-fette 666.- Euros, wertiges Holz, wunderbar bespielbarer Hals.

Was soll ich sagen? Liebe auf den ersten Blick. Das schwere Holz schwingt bei jedem Ton spürbar mit, die Tonabnehmer übertragen laut und sauber und der Sound ist knackig und frisch.

Ich äusserte relativ direkt meine Kaufabsichten und drehte noch mal eine Runde. Meine Gewissensbisse ob des Preises konnte ich dann dennoch schnell abschütteln. So ein wertiges Instrument bekommt man nicht ein Leben lang für diesen Kurs, aber man wird ein Leben lang was davon haben. Ausserdem kostet das Teil mit Mayones-Logo oben drauf woanders das doppelte. Also schwang ich mich wieder nach oben und nahm das Ding mit.

Wenn demnächst mein Hartke Bass Attack Preamp ankommt, poste ich euch mal ein paar Soundsamples.

David

Kategorien:Uncategorized

Eine verspätete Sylvester-Rakete…

2. Januar 2010 1 Kommentar

…  zieht laut zischend einen bunten Schweif über den Neujahrstags-Himmel. Ich nippe an einem Gläschen Rest-Sekt und stoss mit euch auf meinen neuen Blog an. Prost! 🙂

Kategorien:Uncategorized